Kinder- und Jugendfußball – Ein Spieler dreht ständig durch

Um den Sachverhalt auf den Fußball zu projizieren, möchte ich einige Hinweise geben, die die Entwicklungsphase eines Kindes abseits vom Fußball erläutern.

Irgendwann kommt die Zeit, wo sich die Kinder vom Elternhaus abnabeln und ihre eigene Wege gehen wollen. Im Alter von 11 bis 16 (manchmal noch früher oder später je nach Entwicklungsstand des Kindes), kommt es zum Verlust der Zuwendung des Kindes und oft zur Konfrontation.

Mögliche Ursache und Lösungsansätze

Meistens wird diese Konfrontation umso heftiger, je enger das Verhältnis zwischen Eltern und Kind ist. Eltern versuchen durch noch größere Zuwendung und Fürsorge diesen natürlichen Prozess zu stoppen und geraten schnell in eine Sackgasse.

Trainingshilfsmittel für Fußballtrainer

Im Buch „Psychologie im Jugendsport“ wird dies mit einem „Tauziehen“ verglichen. Die Liebe und die Zuwendung zu den Eltern, steht dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Abnabelung des Kinders entgegen. Wenn die Eltern versuchen den Jugendlichen noch enger an sich zu binden, dann ziehen sie am anderen Ende des Taus und ein „Wettkampf“ beginnt.

Auch wenn es manchmal schwerfällt, Eltern sollten unbedingt die Kommunikation mit dem Kind pflegen. Die gilt auch dann, wenn das Kind gelangweilt und genervt reagiert. Für das Kind sind beide Dinge wichtig, die Abnabelung von den Eltern und die Zuwendung, auch wenn das Kind es nicht immer zeigt. Aus Sicht der Eltern ist das Kind „uneinsichtig“, das Kind selbst glänzt durch aggressives Verhalten, ist aber auch geplagt von Schuldgefühlen. Eigentlich möchte es seinen Eltern gefallen und die Eltern wollen immer nur das Beste. Ob das immer auch das Beste fürs Kind ist, bleibt dahingestellt.

Eltern wollen ihren Kindern die beste Ausbildung ermöglichen, oft nach Vorstellungen, die sie aus ihrer Vergangenheit übernehmen. Es ist komplett der falsche Weg, seine eigenen unerfüllten Wünsche am Kind zu verwirklichen. Eltern neigen unbewusst dazu, ihre eigene Vergangenheit und Abläufe auf das Kind zu übertragen. Das Kind ist damit überfordert.

Mein Kind wird ein Spitzenfußballer

Diese Schwierigkeiten übertragen sich bis in den Fußball und stellt viele Trainer vor erhebliche Probleme.

Eltern wollen, dass ihr Kind richtig gut wird, auch im Fußball. Dies führt dann oft dazu, dass sie ihr eigenes Kind überfordern. Es muss unbedingt besser werden, als man früher selbst war. Eigentlich geht es gar nicht mehr ums Kind, der Erwachsene projiziert sich ins Kind hinein. Jeder Fehler auf dem Platz wird spätestens daheim diskutiert und der Jugendliche spürt die Erwartungshaltung und versucht, ihr gerecht zu werden. In der Pubertät kommt es dann zu unnötigem Konfliktpotenzial und noch größerer Konfrontation.

Dies führt oft zum Fehlverhalten des Kindes auf dem Platz und der Trainer steht vor einem großen Problem.

Der Fußballtrainer als Regulator zwischen Eltern und Kind

Ein nicht seltenes Praxisbeispiel:

In deinem Team spielt ein richtiges Fußballtalent. Tolle Technik, fantastische Übersicht, sein Vater bringt ihn zu jedem Training und Spiel, holt ihn auch wieder ab und meistens schaut er sogar zu. Der Spieler erfährt jegliche Unterstützung seiner Eltern, wie tolle Fußballschuhe oder Teilnahme an Fußballcamps.

Aber irgendetwas stimmt mit dem Kind nicht, denn: Seine Gefühle schlagen immer wieder Purzelbäume. Beim kleinsten Fehler dreht er im Spiel und Training durch, schimpft mit sich selbst und wird aggressiv zu seinen Mit- und Gegenspielern, was auch schon zu Verwarnungen geführt hat. Er weiß, dieses Verhalten schadet seinem und dem Spiel seiner Mannschaft, er kommt aber nicht aus dieser Nummer raus.

„Hier kann es – so paradox es klingt – die Aufgabe des Trainers sein, das Kind bzw. den Jugendlichen vor den sportlichen Ambitionen seiner Eltern zu schützen“ (Kurz, 1988)

Lösungsansätze:

  • Versuche zunächst im Gespräch mit dem Vater herauszufinden, wie hoch die Erwartungshaltung tatsächlich ist, lese dabei auch zwischen den Zeilen.
  • Vermittle dem Spieler eindeutig, dass man aus Fehlern lernt.
  • Frage den Spieler, warum er Fußball spielt, zum Training kommt und was er am Fußball so toll findet?
  • Habe Geduld mit dem Spieler, keinesfalls die Zuwendung entziehen.
  • Übe niemals persönliche Kritik, weise aber darauf hin, dass sein Verhalten sein Spiel und dem Spiel der Mannschaft schadet.
  • Höre dem Spieler aufmerksam zu, lasse ihn zu Wort kommen und bespreche das zukünftige Verhalten.

Unser Talent möchte seinen Vater nicht enttäuschen und glaubt, wenn er Fehler macht, ist sein Vater enttäuscht. Der psychische Druck wird durch sein Fehlverhalten kompensiert. Dazu muss man wissen, Kinder in der Pubertät sind besonders sensibel, wenn es um eigene Fehler geht, für sie ist es ein persönliches Versagen. Die Aggressivität gilt als Hinweis „Eigentlich bin ich besser“ und der Spieler rechtfertigt sich damit.

Als Trainer solltest du die Eltern immer wieder darüber informieren, welche Entscheidungen du triffst und wie du dir das Verhalten vorstellst. Mache deutlich, Eltern sollen nicht ins Spiel und auch nicht ins Training eingreifen. Das unerwünschte Eingreifen raubt den Spielern die Konzentration. Sie beschäftigen sich mit dem Gedanken „Gefällt das meinen Eltern?“ und darunter leidet die sportliche Entwicklung.

Quellen:
Psychologie im Jugendsport
Psychologie im Sport

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